Unsere Darmflora: entscheidend für die Lebensqualität

Faszinierender Mikrokosmos Darmflora

In unserem Darm leben Bakterien, ohne die wir nicht überlebensfähig wären: die Darmflora.

In einem gesunden Darm sind das etwa 100 Billionen Bakterien, die sich auf ca. 500 bis 1000 verschiedene Arten verteilen. Zusammen wiegen sie etwa 2 kg; der größte Teil unseres Stuhls besteht aus abgestorbenen Bakterien.

Neue Forschungsmethoden bringen in den letzten Jahren quasi täglich Neues über die Vielfalt ihrer wichtigen Aufgaben:

Schutz vor eindringenden Keimen

Nährstoffe aufschließen

Sättigungsgefühl stärken

Blutzucker senken

Vitamine produzieren: B1, B2, B12, K, Folsäure, Niacin, Pantothensäure und Biotin.

Entzündungsprozesse regulieren

Immunsystem stärken

Stressverhalten und Gefühle steuern.

Den Austausch mit unserem Gehirn übernimmt das Darmhirn, ein Nervengeflecht aus etwa 200 Millionen Nervenzellen.

Abhängig von unserer Lebensweise

Proteobacteria, Tenericutes, Actinobacteria, Firmicutes, Bacteroides

Die Zusammensetzung unserer Darmflora verändert sich mit unseren Lebensumständen:

Dokumentation der Veränderung der Darmflora eines einzelnen Menschen über etwa 200 Tage.

Die Menge und Zusamensetzung schwankt deutlich. Um den Tag 100 steigen mit einer Darminfektion die Proteobakterien stark an, die die Abwehr unterstützen. Gleichzeitig bricht die restliche Darmflora ein.

Bildquelle: Backpacking and My Gut Microbiome, Richard Sprague, October 14, 2015


Rund um die Darmflora:

Nature Publikation, Mikrobiom, Stämme, Arten, Bacteroides, Lactobacillus,

Die unterschiedlichen Bakterienstämme unserer Darmflora sind auf die verschiedenen Darmabschnitte spezialisiert.

Bildquelle: Nature Immunology 14, 685–690 (2013)

So individuell wie ein Fingerabdruck

Wie gut unsere kleinen Mitbewohner ihre vielfältigen Aufgaben erfüllen können ist davon abhängig, wie viele Bakterien für die jeweilige Aufgabe vor Ort sind. Je mehr und je vielfältiger unsere Darmbakterien sind, desto besser.

Man weiß heute, dass unsere Darmflora fast so individuell ist, wie ein Fingerabdruck. Die Zusammensetzung und Menge unserer Darmflora hängt dabei nicht nur von unserer Veranlagung und unserer Lebensweise (Stress) ab und davon, ob wir gerade gesund oder krank sind. Einen ganz wesentlichen Einfluss auf die Qualität unserer Darmflora hat auch unsere Ernährung; denn sie bestimmt, wie gut wir unsere kleinen Helfer ernähren.

Entscheidend für Gesundheit und Gewicht

In den letzten Jahren konnte auch gezeigt werden, dass übergewichtige Menschen ein andere Darmflora haben als Normalgewichtige. Aber auch der Zusammenhang zwischen unserer Darmflora und Krankheiten wird mehr und mehr erforscht. Heute weiß man, dass vor allem bei Krankheiten mit Beteiligung des Immunsystems ein Zusammenhang mit der Darmflora besteht: chronisch entzündliche Darmerkrankungen, Diabetes mellitus, Atherosklerose, sogar die Entstehung der Multiplen Sklerose wird hier diskutiert. Aber auch andere Magen-Darm-Beschwerden wie Blähungen oder nervöser Darm können Folge einer schwachen Darmflora sein. Und schließlich werden sogar das Auftreten von Depressionen und anderen psychischen Erkrankungen in Zusammenhang mit unserer Darmflora gebracht.

Viele gute Gründe, auf eine gute Versorgung mit Ballaststoffen zu achten, damit auch unsere Darmbakterien jeden Tag gut versorgt sind.