Ist ein bisschen Bauch doch gesund?

Gerade kreist wieder einmal die Nachricht, ein bisschen mehr Fett auf den Rippen sei doch nicht so ungesund, durch die medizinische Fachpresse und wird sicher bald auch wieder die Publikumspresse erreichen.

Das lesen wir natürlich alle gerne! Aber stimmt das auch?

 

1. Körpergewicht ist nur ein Hilfsparameter

Körpergewicht, BMI und alle anderen Messwerte, die wir von aussen messen können sagen ungefähr so viel über den inneren Zustand unseres Körpers, wie die Karrosserie über den Motor eines Autos. In vielen Fällen gehen das Altern der Karrosserie mit dem Altern des Motors gleichmässig vor sich. Im Einzelfall kann aber unter einer schäbigen Hülle ein fantastisch gepflegtes Innenleben sitzen; oder das makellose Äußere verbirgt einen schweren Schaden.

Und so kann ein leichter Wenigsportler einen relativ hohen Fettanteil haben, ein schwerer Kraftsportler dagegen mehr Muskeln. Dazu lagert sich das Fett erblich bedingt beim Einen stärker im Bauchraum - wo es mehr Schaden anrichtet, beim Anderen mehr an anderer, weniger kritischer Stelle (Reiterhosen).

Wenn also ein äußerer und damit leicht zu kontrollierender Parameter Aussagekraft besitzt, dann ist es der Taillenumfang; denn dieser gibt den besten Anhalt für das Bauchfett. Er sollte bei Frauen nicht größer als 80 cm sein und bei Männern nicht über 100 cm liegen.

 

2. Schlank kann auch krank sein

Schwere Krankheiten zehren den Körper aus und führen ihrerseits meist zu Gewichtsverlust. So ist ungewollter Gewichtsverlust oft eines der ersten Anzeichen für eine Krebserkrankung. Menschen mit einem etwas höheren Ausgangsgewicht überstehen schwere Krankheiten etwas besser, weil unser Körper Fett braucht. Mit anderen Worten: die Schlanken unter uns teilen sich in (mindestens) zwei Gruppen: die besonders Gesunden und die besonders Kranken. Betrachtet man die Schlanken als Gesamtheit ist das Ergebnis für keine der beiden Gruppen zutreffend.

 

3. Was stimmt denn nun?

  • Fett hat in unserem Körper viele wichtige Aufgaben und ist nicht per se schlecht
  • Besonders viszerales Bauchfett treibt aber viele "Zivilisationskrankheiten"
  • Bewegung und dadurch aufgebaute Muskelmasse senken den Fettgehalt und sind ein wahrer Jungbrunnen für den Stoffwechsel
  • Bei normaler Statur und wenn sonst keine schweren Krankheiten vorliegen gilt weiterhin: je niedriger das Körpergewicht, desto besser
  • Wer ein paar Pfund mehr auf den Rippen hat, tut sich schon viel Gutes, indem er sein Gewicht hält und seine Muskelmasse vergrößert.
  • Abnehmen macht gesundheitlich nur dann Sinn, wenn es langsam und nachhaltig ist.

In diesem Sinne: bleiben Sie in Bewegung!

 

Ihre

Karin Rüttgers

 

Literatur: JAMA. 2016;315(18):1989-1996. doi:10.1001/jama.2016.4666

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