"Kein Land der Welt kann der […] Kostenlawine Herr werden, wenn wir weiter machen wie bisher."

Bei diesem Zitat geht es nicht um Flüchtlingsströme, die globale Erwärmung oder die Eurokrise – es stammt von Professor Baptist Gallwitz, Präsident der Deutschen Diabetes Gesellschaft, und er beschreibt darin die Folgen der weltweit rasant zunehmenden Zahl an Diabetikern. In Deutschland leidet inzwischen jeder Zehnte an dieser Stoffwechselstörung. Jeder Fünfte davon ahnt noch nichts von seiner Krankheit, oft weil die frühen Stadien aufgrund unzureichender Tests nicht erkannt werden können.

 

Dabei ist Früherkennung gerade beim Diabetes so wichtig! Nicht nur, um Folgekosten zu vermeiden. Sondern vor allem, weil nur durch konsequente Senkung der erhöhten Blutzuckerspiegel die Langzeitschäden an Augen, Nieren, Gefäßen und Herz reduziert werden können: schleichende Erblindung, Nierenversagen, „Raucherbein“ und Herzinfarkt.

 

Warum aber steigt die Zahl der Diabetiker rund um den Erdball so rasant an? Auch die Antwort auf diese Frage verhallte in den vergangenen Tagen wieder einmal ohne größere Resonanz zwischen den scheinbar wichtigeren Themen der Weltpolitik: die weltweite Zahl der Übergewichtigen übersteigt mittlerweile weltweit die der zu Mageren. In Deutschland hat sich die Zahl der übergewichtigen Männer (BMI >30, d.h. 92 kg bei einer Größe von 1,75 m) von 1974 bis 2014 auf 8,3 Millionen etwa vervierfacht, die der ebenso dicken Frauen ist auf 8,5 Millionen fast um das Dreifache angestiegen. Damit sind gut 20% der deutschen Bevölkerung deutlich übergewichtig.

 

Übergewicht ist – neben Veranlagung und Bewegungsmangel - einer der wichtigsten Antreiber für die Entwicklung eines Diabetes. Und neuere Forschungen zeigen immer deutlicher, dass sich die Fußabdrücke der Überernährung der Eltern im Stoffwechsel ihrer Kinder wieder finden. Will sagen: je dicker wir heute sind, desto dicker werden unsere Kinder morgen – ein Trend, der sich heute schon gut beobachten lässt.

 

Angesichts dieser Zahlen und Zusammenhänge werden die mahnenden Worte, die quasi wöchentlich von Experten in die Randnotizen unserer Medien finden, fassbar. Unfassbar dagegen ist, dass diese Themen kaum Beachtung in unseren politischen Debatten, unseren Talkshows, Schulen, ja nicht einmal wirklich in unserer Gesundheitspolitik finden. Die Krankenkassen wollen lieber heute Geld für sinnvolle Tests sparen, statt morgen viel höhere Therapiekosten. Die Lebensmittelindustrie setzt immer wieder ihre Belange in der Kennzeichnung durch und verkauft uns Ahnungslosen billige Leerkalorien als Lifestyle – gerade auch für Kinder (auch diese Debatte verhallte wieder einmal vor einigen Wochen folgenlos). Die Politiker treten aufflackernde Diskussionen tot, weil damit unangenehme Botschaften und Wählerverlust befürchtet werden. Und wir alle diskutieren aufgeregt über manches Thema, das nur geringen Einfluss auf unsere persönliche Lebensqualität hat, während in unseren Körpern eine Zeitbombe tickt.

 

Was tun?: Vielseitig, regional und maßvoll essen und trinken! Mehr bewegen!! Und bewusst entscheiden, wo sich Empörung wirklich lohnt.

 

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen bewegte Zeiten!!

 

Ihre Dr. Karin Rüttgers

 

Quellen:

  • Lancet 2016; 387: 1377–96
  • Nature Genetics, doi:10.1038/ng.3527; 2016
  • WHO
  • Diabetes.de

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Kommentare: 1
  • #1

    Gabi Spital (Samstag, 18 März 2017 19:00)

    Endlich mal was Vernünftiges ,wo man tatsächlich Einfluss hat und sich selber entscheiden kann Bin selber Ärztin